„La Traviata“ // Kurzkritik Oper! Magazin

Isabel Ostermann siedelt „La traviata“ am Münchner Gärtnerplatz in einem bewusst unbestimmten Ambiente an – historisierende Kostüme von Alfred Mayerhofer, ein Bühnenbild von Stephan von Wedel, das konventionelle Opernästhetik mit subtilen, bisweilen humorvollen Störelementen verbindet. Auf Gegenwartsverweise wird konsequent verzichtet; das Ergebnis ist eine Inszenierung, die die Zeitlosigkeit von Verdis gesellschaftskritischem Sujet überzeugend zur Geltung bringt. Sophia Theodorides überzeugt als Violetta mit klarer stimmlicher Autorität und einer in Rollendramaturgie klug aufgebauten Entwicklung ihrer Figur. Lucian Krasznec gestaltete den Alfredo als leidenschaftlichen „tenore di forza“ mit beeindruckender Höhe. Matija Meić als Giorgio Germont findet einen reizvollen Balanceakt zwischen lyrischer Kantabilität und charakterlicher Ambivalenz – vokal besonders stark in der „Provenza“-Arie. Rubén Dubrovsky leitet das Hausorchester mit strukturierter Präzision; Klangbalance und Zusammenspiel zwischen Graben und Bühne sind vorbildlich.